(Stand 05/2012)

I. Aufgabe und Zielsetzung

Aufgabe der Jugendberatung Mobilé ist es, die individuelle Entwicklung junger Menschen im Alter von 12-25 Jahren zu fördern. Hierzu gehören im Wesentlichen die Stärkung der Persönlichkeit und die Vermittlung sozialer Kompetenzen (KJHG 11).

Ziel ist es, einen attraktiven Lebensraum für junge Leute zu schaffen, in dem sie sich wohl fühlen und ernst genommen werden. Hinzu kommt die Gestaltung eines stadtteilorientierten Freizeit-, Kultur-, Bildungs- und Beratungsangebots, das sich an den Interessen und Bedürfnissen der Jugendlichen orientiert.

Erftstadt ist eine Flächengemeinde mit ca. 51.000 EinwohnerInnen, ca. 20 Kilometer südwestlich von Köln. Insgesamt 16 Ortsteile zwischen 300 und 13.000 Einwohnern liegen zwischen 2 und 9 Kilometern auseinander. Da kommerzielle Freizeitangebote für Jugendliche nicht vorhanden sind, es nur ein größeres kommunales Jugendzentrum in einem Ortsteil gibt und auch keine Einrichtungen freier Träger vorhanden sind, verbringen viele Jugendliche einen großen Teil ihrer Freizeit auf der Straße. Sie treffen sich an informellen Treffpunkten in ihren Cliquen, um miteinander zu reden, gemeinsam irgendwohin zu fahren, oder einfach "abzuhängen".

Ausgehend von der Tatsache, dass das Jugendzentrum Köttingen und die kleinen Jugendcafés in Liblar, Lechenich, Kierdorf und Bliesheim immer nur einen regional begrenzten Teil von BesucherInnen erreichen und dass ggf. ein bestimmter BesucherInnenkreis andere potentielle BesucherInnengruppen gänzlich ausschließt, versucht Mobile auch Ansprechpartner für all die Jugendlichen eines Stadtteils zu sein, die über die Jugendeinrichtungen nicht erreicht werden können.

Setzt Freizeitarbeit in Jugendhäusern die "Komm-Struktur" voraus, geht Mobile verstärkt von der "Geh-Struktur" aus.

Während das Jugendhaus den "Raum" für Freizeitarbeit verortet, geht Mobilé von einem erweiterten Raumbegriff aus und bezieht in seine Arbeit neben der Einrichtung selbst auch die informellen Jugendtreffs wie den Park, das Freibad, Schulhöfe und andere öffentliche Plätze mit ein. Mobilé unterstützt die Raum(wieder)-Aneignungsprozesse der Jugendlichen und macht sie zum konzeptionellen Teil seiner Arbeit.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die Zusammenarbeit mit Institutionen, Vereinen und Verbänden. Während "teure" offene Jugendhausarbeit einer "billigen" Jugendverbandsarbeit oftmals unversöhnlich gegenübersteht, begreift sich Mobilé als Mittler zwischen Jugendlichen und Verbänden, als Teil einer gesamtstädtischen Jugendarbeit.

Arbeitsfelder der Jugendberatung Mobilé

Aufsuchende Jugendarbeit

Jugendliche werden von den MitarbeiterInnen an ihren Treffpunkten im Stadtteil aufgesucht. Hilfestellung bei der Verwirklichung ihrer Freizeitinteressen und auch bei der Bewältigung von persönlichen Problemen wird ihnen Hilfe angeboten, aufgedrängt wird sich nicht.

An ihren angestammten Plätzen genießen die Jugendlichen "Heimrecht". Sie bestimmen die Formen des Miteinanders. Hier ist Mobilé zu Gast. Für viele Jugendliche ist dieses Setting eine gute Voraussetzung Beratung anzunehmen. Weitergehende, eventuell verbindlichere Formen der Beratung ermöglichen die Jugendeinrichtungen, in denen die Jugendlichen ihre AnsprechpartnerInnen aus der aufsuchenden Arbeit wiederfinden.

Die Jugendlichen sind Teil des Gemeinwesens. Wenn Jugendliche Raum benötigen, muss die Brücke zu den Raumbesitzern, und das sind immer die Erwachsenen, im Stadtteil geschlagen werden. Geht es darum, dass Jugendliche an von ihnen besetzten Räumen (Park, Spielplatz usw.) als störend empfunden werden, muss auch wieder - soll der Konflikt für beide Seiten fruchtbar verlaufen - die Brücke zu den Erwachsenen geschlagen werden. Ein probates Mittel hierzu ist die Schaffung von entsprechenden Outdoor -Treffpunkten in den einzelnen Stadtteilen. Darunter werden speziell hergerichtete Flächen verstanden, auf denen sich Jugendliche legal und in größerer Zahl treffen können ohne dadurch in Konfliktsituationen zur Anwohnerschaft zu geraten.

Das Gemeinwesen integriert oder grenzt aus. Mobilé vermittelt.

Geschlechtsspezifische Arbeit

Geschlechtsspezifische Arbeit ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes der Jugendberatung Mobilé. Schon bei der Gründung 1992 wurde gezielt nach einer Kollegin gesucht, die sich speziell der Mädchenarbeit widmete.

Mädchenarbeit wird bei der Jugendberatung Mobilé nach dem parteilichen Ansatz praktiziert. Parteilichkeit bedeutet, dass Mädchen mit ihren Interessen und Bedürfnisse uneingeschränkt im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Die Mädchen werden ernstgenommen, ihnen wird Schutz und Unterstützung zuteil. Eigene Lebensentwürfe werden ebenso akzeptiert wie neue Wege aufgezeigt.
Der Ansatz parteilicher Mädchenarbeit findet überall dort statt, wo Mädchen und junge Frauen anzutreffen sind. Das kann bei einem Gespräch auf der Straße, dem Schulhof oder in der Jugendeinrichtung, aber auch in Form gezielter geschlechtsspezifischer Angebote sein. Parteilichkeit beinhaltet eine Haltung, die allen Mädchen in jedem Alter und zu jeder Zeit an jedem Ort zukommt.

Realisiert werden diese Grundsätze durch geschlechtshomogene offene oder geschlossene Angebote für Mädchen, in denen sie in geschützten Räumen eigene Erfahrungen machen und sich mit anderen auseinandersetzen können. Ziel ist, dass sie - losgelöst von tradierten Rollenklischees - entsprechend ihrer Kompetenzen, Fähigkeiten und Interessen ihre eigene Persönlichkeit entwickeln und leben können.

Ihren praktischen Niederschlag finden diese Prinzipien in zahlreichen Maßnahmen wie: Mädchentage in den Jugendeinrichtungen, Erlebnistage für Mädchen, Berufswahlorientierungsmaßnahmen für Mädchen in Kooperation mit weiterführenden Schulen, spezifische Informations- und Beratungsangebote zu mädchenspezifischen Themen.

Zusätzlich hat sich jedoch in den letzten Jahren in Bezug auf geschlechtsspezifische Arbeit der Blick verstärkt auf die Jungen fokussiert. Ziel der daraus erwachsenen Jungenarbeit ist, die Jungen in ihrer Entwicklung zu einer emotional lebendigen, sozialverantwortlichen und selbstreflexiven Persönlichkeit zu fördern und zu unterstützen.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, ist es notwendig, dass die in der Jungenarbeit tätigen Kollegen sich diesbezüglich spezialisieren und weiterbilden.

Bei Bedarf und dem entsprechenden Wunsch der Jungen werden reine Jungengruppen installiert. Hier können gemeinsam jungenrelevante sowie vermeintlich jungen-untypische Themen besprochen werden. Hierbei ist von wesentlicher Bedeutung, dass den Jungen ein geschützter Raum zu Verfügung gestellt wird, in dem sie sich frei von tradierten Rollenvorstellungen bewegen und agieren können.

Des weiteren bietet Mobilé in Kooperation mit Erftstädter Schulen das Projekt „Jungenarbeit trifft Baseball - ein Sozialkompetenztraining“ an. Hierbei haben Jungen zwischen 14 und 16 Jahren die Möglichkeit, verschiedene jungenspezifische Themen aufzuarbeiten. Mit Hilfe des Mediums Baseball kommen Themen wie Kraft und Gewalt, Teamfähigkeit, Umgang mit Beleidigungen, Aggressionen, Respekt etc. zur Sprache.
Berufswahlorientierung für Jungen ist ebenfalls ein Kooperationsfeld mit Schule.

Unabhängig von speziellen Angeboten für Mädchen und Jungen möchten die Jugendlichen ihre Freizeit natürlich auch gemeinsam verbringen. Um bei den Angeboten von Mobilé, die für alle Jugendlichen gleichermaßen gelten, dennoch geschlechtsspezifische Aspekte zu berücksichtigen, wird sich der Prinzipien des gender-mainstream bedient. Hierbei geht es darum, bei jedem Angebot zu überprüfen, ob die Belange und Interessen von Mädchen und Jungen gleichermaßen Berücksichtigung finden und damit Geschlechtergerechtigkeit hergestellt wird. Diese Überprüfung bezieht sich auf die Repräsentation (wie viele Jungen/ Mädchen sind betroffen, wirken oder entscheiden mit ), die Ressourcen (Geld, Raum, Zeit, Personaleinsatz), und die Realisierung (Durchführung, Öffentlichkeitsarbeit). Dadurch entspricht Mobilé zielgenau dem § 4 des Kinder- und Jugendfördergesetzes, der ausdrücklich die Gleichstellung von Mädchen und Jungen als durchgängiges Leitprinzip für die Jugendhilfe verlangt.

Jugendpflege

Im Rahmen klassischer Jugendpflege bearbeitet Mobile die Aufgabenfelder erzieherischer Kinder- und Jugendschutz, Stadtjugendring, internationale Jugendbegegnung, Aus- und Weiterbildung von FerienhelferInnen und GruppenleiterInnen und Fachberatung von ehrenamtlicher Jugendarbeit.

Kooperation mit Schule

Die Notwendigkeit der Kooperation von Jugendarbeit und Schule ist offensichtlich und in der Fachwelt unbestritten. Es sind dieselben Kinder und Jugendlichen, die vor- und nachmittags die Schule besuchen und anschließend die Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Anspruch nehmen.

Bei aller Unterschiedlichkeit des Auftrags und unter Wahrung der Eigenständigkeit der Institutionen lassen sich jedoch Schnittmengen finden, die einen Zusammenarbeit wünschenswert und für alle Beteiligten profitabel machen.

Insbesondere bei der Förderung und Entwicklung der im Arbeitsleben heute so gefragten Softskills, dem erzieherischen Kinder- und Jugendschutz sowie bei der Berufsfindung bietet sich eine intensive Zusammenarbeit an. So offeriert Mobilé den weiterführenden Schulen vielfältige Projekte im Bereich Berufswahlorientierung, Sozialkompetenztraining, Gewaltprävention, Suchtprävention und Cybermobbing, die von den Schulen gern und regelmäßig gebucht werden.

Ein willkommener zusätzlicher Nutzen der Kooperation mit Schule besteht darin, die weitere Arbeit von Mobilé zahleichen Jugendlichen vorstellen zu können. Das führt dazu, dass immer wieder neue Jugendliche den Weg in die Jugendeinrichtungen finden bzw. die MitarbeiterInnen von Mobilé den Jugendlichen im Rahmen der aufsuchenden Arbeit schon durch die Schulkontakte bekannt sind und so der Zugang zu ihnen erleichtert wird.

Jugendberufshilfe

Die Jugendberufshilfe als Teilbereich der Jugendsozialarbeit ist ein weiteres Aufgabengebiet der Jugendberatung Mobilé.

Sie erfolgt zunächst präventiv in Zusammenarbeit mit Schulen und hat zum Ziel, Jugendliche unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Aspekte zu informieren und bei der Entwicklung einer passenden Berufs- und Lebensperspektive zu begleiten. Des weiteren wird sie tätig im Übergang von der Schule in den Beruf, bei der Suche eines geeigneten Arbeits- oder Ausbildungsplatzes mit dem Ziel der Verselbstständigung und Entwicklung einer beruflichen Identität. Sie ist jedoch ebenso für die jungen Menschen zuständig, die bedingt durch schlechte schulische Leistungen und/ oder soziale Benachteiligungen auf dem ersten Arbeitsmarkt zunächst nicht Fuß fassen können. Hier ist neben der Auswahl geeigneter Maßnahmen sowie der Kooperation mit den entsprechen den Trägern, Ämtern sowie den Kostenträgern auch die Begleitung und Beratung in weiteren Lebens- und Problembereichen häufig erforderlich.

Auch eine enge Kooperation mit der Jugendgerichtshilfe ist meist sinnvoll, da bei Jugendlichen ein hoher statistischer Zusammenhang zwischen Delinquenz und Arbeitslosigkeit besteht.

Jugendgerichtshilfe

Die Jugendgerichtshilfe (JGH) des Jugendamtes der Stadt Erftstadt ist seit 2009 bei der Jugendberatung Mobilé angesiedelt.

Die Aufgabe der JGH ist es, jugendliche Straftäter zu beraten und zu unterstützen. Hierzu ist es notwendig, sich ein umfassendes Bild von der akt uellen Lebenssituation der Jugendlichen zu machen. Beleuchtet werden hierbei die Familienverhältnisse, das Freizeitverhalten aber auch die schulischen und beruflichen Perspektiven.

Dazu führt die JGH ausführliche Gespräche mit den ugendlichen Straftätern und ggf. auch mit ihren Eltern. Hierbei wird auch geklärt, inwieweit der Tatverdächtige die Verantwortung für seine Tat zu übernehmen hat.

Nach diesen Gesprächen fertigt die JGH einen Bericht für das Gericht. Darin enthalten ist auch eine Empfehlung für den Richter, in der eine geeignete Straf- oder Erziehungsmaßnahme vorgeschlagen wird. Während der Gerichtsverhandlung ist die JGH anwesend und trägt nach Aufforderung durch den Richter ihren Bericht vor.

Die JGH unterstützt die Jugendlichen vor, während und nach dem Strafverfahren bei Fragen zu Familie, Ausbildung, Beruf, Wohnung, Sozialhilfe etc.. Hierbei arbeitet sie eng mit dem Mobilé-Team zusammen.

Viele Jugendliche, die bei der JGH vorstellig werden müssen, sind den MitarbeiterInnen von Mobilé häufig schon seit längerer Zeit bekannt. Ent weder besuchen sie einer der städtischen Jugendeinrichtungen oder werden im Rahmen der mobilen Jugendarbeit angetroffen. In enger Absprache mit diesen Jugendlichen und unter absolut er Wahrung der zugesicherten Vertraulichkeit beraten sich Mobilé und die JGH unt er Einbeziehung ihrer jeweiligen Kenntnisse von der Lebenssituation der Jugendlichen . Da diese Lebenssituation oft von Schwierigkeiten im Übergang Schule und Beruf gekenn zeichnet ist, wird in diesen Beratungsprozess die ebenfalls bei Mobilé angesiede lte Jugendberufshilfe mit einbezogen. Gemeinsam werden die personellen und fachlichen Res sourcen genutzt, um den straffällig gewordenen Jugendlichen eine positive Lebensperspektive aufzuzeigen und sie dabei zu unterstützen, den für sie jeweils richtigen Weg ein zuschlagen.

Mobilé als Bestandteil des Frühwarnsystem für die Z ielgruppe der Sekundarstufe 1

Die Arbeit von Mobilé zeichnet sich dadurch aus, dass sie für die teilnehmende Zielgruppe freiwillig und parteilich ist. Das sich daraus entwickelnde besondere Vertrauensverhältnis zwischen Jugendlichen und MitarbeiterInnen und die Nähe zur Lebenswelt der Klientel sind in besonderem Maß geeignet, direkte oder indirekte Hilferufe der Jugendlichen wahrzunehmen und aufzugreifen.

In der weiteren Behandlung dieser Hilferufe geht es in erster Linie um die Unterstützung der Jugendlichen, nicht um eine Weitergabe der oft unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertrauten Informationen.

Schwierige Fälle werden im Team im Rahmen eines fachlichen Austauschs und der Gefährdungsabschätzung besprochen, um das weitere Vorgehen zu koordinieren. Hierbei wird es Fälle geben, die eine Information des ASD notwendig machen, um einen weitere Gefährdung des Jugendlichen zu verhindern. Dies geschieht notfalls ohne Zustimmung des Hilfesuchenden. Den Jugendlichen wird diese Art des Vorgehens vermittelt und transparent gemacht, damit es zu keinem Vertrauensbruch kommt und Mobilé weiterhin als Beratungsinstanz zur Verfügung steht.

II. Qualitätsstandards für die Umsetzung der Ziele und Arbeitsaufträge

a) Die Rahmenbedingungen

Um die bisher erreichte Qualität der Arbeit aufrechterhalten zu können, sind folgende Rahmenbedingungen notwendig:

  • Die Personalausstattung mit mindestens 7,5 hauptamtlichen Stellen (inkl. JGH u. Jugendzentrum Köttingen)
  • Vorschlagsrecht bei der Einstellung von Fachpersonal
  • Bereitstellung von Mitteln für Honorarkräfte
  • Flexible Arbeitszeitregelung (Verantwortlich: Leitung von Mobilé) - Budgetverantwortung (Verantwortlich: Leitung von Mobilé)
  • Finanzierung für Fort und Weiterbildung sowie Supervision (mindestens in Höhe des bisherigen Rahmens)
  • Mobilé agiert eigenständig bei der Gestaltung und Ausführung der Arbeit im Rahmen seines Auftrages.
  • Ziele und Wirkungen der Arbeit von Mobilé bedürfen einer ständigen Prüfung, gegebenenfalls Neuorientierung.

b) Pädagogische Grundlagen

Das pädagogische Handeln von Mobilé wird durch folgende Grundsätze bestimmt:

  • Mobilé versteht sich als Lobby für Jugendliche, das heißt die Jugendlichen beauftragen Mobilé mit der Wahrnehmung ihrer Interessen und Bedürfnisse.
  • Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, sich einen genauen Überblick über die Lebenswelt der Jugendlichen zu verschaffen.
  • Es ist wichtig die Jugendlichen dort aufzusuchen, wo sie sich aufhalten und dort mit ihnen in Kontakt zu treten.
  • Um tragfähige Strukturen zu schaffen, die es den Jugendlichen ermöglichen, in ihrem Lebensumfeld sinnvoll Freizeit verbringen zu können , ist es notwendig, ihre Interessen mit denen der Erwachsenen zu verbinden und unterschiedliche Träger der Jugendarbeit zu vernetzen.
  • Mobilé praktiziert geschlechtsspezifische Jugendarbeit nach dem parteilichen Ansatz. Er setzt an der Lebenswelt von Mädchen und jungen Frau en sowie Jungen und jungen Männern an und stellt ihre Interessen und Bedürfnisse in den Mittelpunkt der Arbeit. Diese geschlechtsspezifische Arbeitsweise erfordert einerseits differenzierte Angebote, Inhalte und Methoden und andererseits hauptamtliche Pädagoginne n und Pädagogen als mögliche Identifikationsfiguren, die um die Erfahrungen gesellschaftlich bedingter Sozialisationserfahrungen beider Geschlechter wissen.
  • Mobilé gewährleistet die personelle Erreichbarkeit von 45 Stunden wöchentlich (Montag bis Freitag). In dieser Zeit stehen die MitarbeiterInnen zu Krisenintervention, Beratung, Information und sonstigen Hilfeleistungen in der Beratungsstelle oder in den Stadtteilen zur Verfügung.

III. Fazit

Die Arbeitsergebnisse der letzten zwanzig Jahre zeigen, dass das Konzept, Jugendliche an ihren Treffpunkten aufzusuchen und mit ihnen gemeinsam Freizeitmöglichkeiten in ihren jeweiligen Ortsteilen aufzubauen, funktioniert und nichts von seiner Aktualität verloren hat.

In einigen Stadtteilen können mittlerweile Räumlichkeiten oder Treffpunkte genutzt werden, die vorher den Jugendlichen nicht zugänglich waren. Der dabei für die Stadt entstehende Kostenfaktor liegt oft bei Null. Als zu hohe Erwartung hat sich die Hoffnung herausgestellt, diese Räume nach kurzer Zeit den Jugendlichen in Selbstverwaltung überantworten zu können. Durch den offenen Charakter dieser Treffs u nd die Fluktuation innerhalb der BesucherInnengruppen sind die Mobilé-MitarbeiterInnen die Konstanten, die die reibungslose Nutzung der Räume im Sinne der Institutionen, die sie zur Verfügung stellen, gewährleisten. Diese Tatsache knüpft nahtlos an die Geschichte der selbstverwalteten Jugendzentren Anfang der 70er Jahre an. Dennoch ist Ziel der Arbeit, die Jugendlichen zu befähigen, eigenverantwortlich Freizeit zu gestalten und überlassene Räume zu nutzen. Dieses Ziel ist als prozesshafter Verlauf immer wieder Inhalt und auch Methode der Arbeit. Damit soll der dominierenden Konsumhaltung in nahezu allen Bereich en entgegengewirkt werden.

Häufig wird Mobilé als jugendpolitisches Allheilmittel betrachtet. Wo immer sich ein Problem mit Jugendlichen auftut, irgendwann landet die Angelegenheit bei Mobilé, verbunden mit der Erwartung, die Mitarbeiter/innen sollen die betreffenden Jugendlichen im Sinne der Erwachsenen disziplinieren. Die Einlösung dieser Erwartung widerspricht gänzlich dem Auftrag von Mobilé. Das "Team für Jugend" erfüllt keine sozial-polizeilichen Aufgaben; Ziel ist es, gemeinsam mit Jugendlichen und Erwachsenen, Lebensräume für junge Leute zu sichern, in denen nicht ausschließlich den Bedürfnissen der Erwachsenen Rechnung getragen wird. Denn bedauerlicherweise hat die Mobilé-Arbeit auch gezeigt, dass Jugendliche, wo immer sie sich im Stadtgebiet in Gruppen aufhalten, über kurz oder lang vertrieben werden sollen. Anfragen an Mobilé, diesbezüglich im Sinne der Erwachsenen tätig zu werden, kommen häufig; Angebote, die Interessen der Jugendlichen gemeinsam mit Mobilé zu unterstützen, fehlen oft. In einer immer älter werdenden Gesellschaft wird es zukünftig verstärkt Aufgabe von Mobilé sein, die Jugendlichen bei der Suche nach ihrem Lebensraum in dieser Stadt zu unterstützen und sie zu ermutigen, für ihre Interessen einzutreten.